1922 als Sohn eines Bankbeamten und einer Porzellanmalerin in Vincennes geboren wird Roger Caprons zeichnerisches Talent in jungen Jahren von seinem Kunstlehrer entdeckt und bis zum  Studium an der Hochschule für angewandte Kunst in Paris gefördert (1938 – 1943). Nach kurzer Dozententätigkeit  zieht es den jungen Künstler 1946 mit seinen Freunden Robert Picault  und Jean Derval nach Vallauris, dem Mekka der Keramik an der Côte d’Azur, wo sie ein kleines Atelier namens ‚Callis’ gründen. Aus dieser Zeit stammen handgedrehte Vasen, Lampen, Tabakdosen und andere Gebrauchsobjekte deren Dekore den T hemendie Themen des Südens entsprechen. :Frauen, Sonne, Tiere (1947 – 1950)

Im Gegensatz zu seinen Freunden sieht  Roger Capron eine große Zukunft der Keramik in qualitativ hochwertigen Serienprodukten deren Qualität in neuen Techniken begründet ist. Geleitet von diesen Idealen, die in Deutschland durch das Bauhaus vertreten werden, eröffnet er sein eigenes Atelier, die ‚Poterie du Font des Horts’ ( 1952) und baut mit sieben Mitarbeitern eine Serienproduktion von Dekorations- und Gebrauchsobjekten im typischen Stil der 50er Jahre auf.  Gefertigt werden Gefäße in freien Formen mit s/w oder farbig bunten Glasuren – richtungsweisend für viele Keramiker seiner Generation und heute wieder im Trend. Auszeichnungen in Mailand und Cannes zeugen von der Qualität und Innovation seiner Arbeiten. (1950 – 1955)

Immer auf der Suche nach neuen Aufgabenfeldern und Techniken wendet er sich nach der Heirat mit seiner Frau Jacotte (1955) der Produktion von hochwertigen und künstlerisch außergewöhnlichen Fliesen zu. Die Manufaktur Capron beschäftigt zwischenzeitlich 30 Personen und seine Frau Jacotte, Absolventin der Ecole des Beaux – Arts mit Schwerpunkt Zeichnen und Farben,  wird seine engste Mitarbeiterin, trotz aller Aufgaben als Mutter von 4 Kindern. Mit dem Auftrag zur Gestaltung des Hafengebäudes in Cannes (1958) gelingt Roger Capron schließlich der Durchbruch zur architekturalen Keramik, Kunst am Bau, Verbindung von Architektur und Keramik. Beweis für  die Qualität seiner Arbeiten ist die Goldmedaille für Keramische Architektur in Brüsssel (1958)

Viele Aufträge namhafter Architekten folgen, wie das Théâtre de Nîmes, das Hôtel Byblos in St Tropez , Restaurants und zahlreiche öffentliche Gebäude. (1958-1963). Auszeichnungen der Akademie de l’Architecture und des Minstère des Affaires Culturelles. Die Manufaktur Capron beschäftigt jetzt 120 Personen, die neben zweier Kollektionen von Fliesen pro Jahr auch die Ideen Caprons für die künstlerische Gestaltung von Formstücken, Tischen und Schränken umsetzen. ( 1969) Hierfür werden Capron zahlreiche Auszeichnungen und Preise sowohl für Architektur als auch Kunstkeramik sowie die Aufnahme in die internationale Kunstkeramikakademie zu teil.(1980)

Er hat  damit den Gipfel seines Erfolges als Unternehmer erreicht.

Die einsetzende Wirtschaftsrezession, vor allem aber verstärkt auftretende  Plagiate seiner Fliesen, stellen die hochwertigen Produktionsmethoden Caprons in Frage und zwingen das Unternehmen zur Schließung (1982), noch bitterer, zur Abgabe aller Namensrechte und Patente an den aufkaufenden Konkurrenten.  Nach einem Intermezzo als Designer für eine große italienische Firma sucht Roger Capron eigene, neue künstlerische Wege, entwirft Paravents und  Bilder mit  keramischen Motiven, als Einzelarbeiten eingelegt in lackiertes Holz. Seine Kreationen, in Raku gebrannt und mit der außergewöhnlicher Farbgestaltung seiner Frau Jacotte versehen, lassen Kunstsammler aufmerksam werden, es entsteht ein neues Atelier mit Jean Paul Bonnet, dem Mitarbeiter seit 46 Jahren. Eine neue Epoche des künstlerischen Ausdrucks , jetzt in der Einzelarbeit beginnt. (1991)

Die Galérie Sassi-Milici vor Ort in Frankreich und die Freundschaft zu Reinhold Harsch mit seinem Netzwerk im deutschsprachigen Raum ermöglichen für die folgenden Dekaden zahlreiche erfolgreiche Einzelausstellungen der Kunstwerke Roger Caprons. Die Weiterentwicklung seiner Bilder zu Halbreliefs und erhabenen Volumen findet ihre Vollendung in der Skulptur – eine Vielzahl von Frauen, Tieren und mystischen Figuren verlässt das neue Atelier Caprons – zur Freude seiner Sammler auf der ganzen Welt. (2003)

Gab es einen Traum der letzten Jahre von Roger Capron, so war es die mehrfache Vergrößerung seiner Skulpturen, deren Größe durch den Brennofen begrenzt war, der Wunsch, seine Kunst im öffentlichen Raum, in Parks und Gärten aller Städte, den Menschen zugänglich zu machen,.  In der Person von Reinhold Harsch war das persönliche und technisch anspruchsvolle Know how gefunden, Skulpturen zu vergrößern und in Beton zu gießen, dann diese Unikate nach den Entwürfen von Jacotte Capron von ihr selbst bemalen zu lassen. Die Editionen Harsch-Capron waren geboren und führen das Lebenswerk dieses großen, kreativen,  vielseitigen Künstlers fort – auch nach seinem Tod im Jahre 2006.